A1864 Art Wk Kammfluh

Das Artilleriewerk Kammfluh (631’014/171’223) gehörte zu den sogenannten Bödeliwerken. Diese fünf Stellungen – knapp über den Bäumen in Felswänden rings um das Bödeli Interlaken gelegen – waren teilweise mit 34 mm Flab Kanonen und teilweise mit je zwei 7,5 cm Feldkanonen 03/22 bestückt. Geschütz 1 in der Kammfluh hatte die Lafette Nr. 41 (Typ 3) und das Rohr 140; G2 die Lafette Nr. 42 und Rohr Nr. 141. Mit diesen Geschützen konnte auch nach Panoramatafeln geschossen werden.

Munitionsmagazine gab es in den fünf kleinen und engen Anlagen keine, die Kriegsmunition war direkt in den Geschützständen aufgeschichtet. Daneben existierte nur noch ein einziger Raum, der gleichzeitig als Unterkunft, Küche und Feuerleitstelle dienen musste. Der Zugang war nur über steile Leitern möglich. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts waren die Anlagen jedoch bereits nicht mehr zeitgemäss und wurden ausgemustert (es erfolgte also keine Aufwertung mit moderneren Geschützen). Gewartet wurden diese fünf Werke von der Fest Kp III/14.

Die Rede war häufig von Flabständen, wenn es um diese Werke ging. Kürzlich aufgefundene Unterlagen zeigen auf, dass anfänglich Kavernen für die Flab erstellt werden sollten («Flabstände»), dann aber der Zweck auf die Beschiessung gelandeter Truppen und Flugzeuge geändert wurde (Artilleriefeuer). Die fünf Werke wurden in ihrer Gesamtheit ab ca. Dezember 1941 «Artilleriewerk 301» bezeichnet. Als Feuerleitstelle diente der KP Kaufmannstollen in Matten.

Die Anlage Kammfluh hätte 2007 als Zufluchtsort für Fledermäuse zugänglich gemacht werden sollen. Dieses Projekt des Kantons kam jedoch nicht zustande. Der Verein IG Bödeli-Werke konnte die Anlage übernehmen. Ziel ist, diese in der ganzen Region einmalige Anlage (das letzte der Bödeliwerke) im jetzigen Zustand zu erhalten. Eine Wiederbewaffnung mit einer 7,5 cm Kanone ist vorgesehen.
Stacks Image 17
Der steile Zugang ins Werk Kammfluh.
Die 7,5 cm Feldkanone
Der Standard-Typ der Schweizer Feldartillerie (Modell 03, Lizenz Krupp) wurde auch in vielen Bunkern und Festungswerken verwendet, obwohl sie 1945 (nach 40 Jahren im Einsatz bei der Feldartillerie) als veraltet bezeichnet wurde. Ersetzt wurde sie schliesslich durch die 10,5 cm Haubitze 42/46. Nach Modernisierungen, vor allem der Lafette, wurde der Standart-Typ als Kan 03/22 bezeichnet.
Technische Daten 7,5 cm Kan 03/22
Kaliber: 7,5 cm
Hersteller: Krupp - Anpassungen Sulzer/K+W Thun
Einführungsjahr: 1922
Beschaffung: 408 Ex. durch Umbau
Rohrlänge: 2250 mm
Verschluss: Flachkeil mit Leitwelle
Gewicht schussbereit (mobil): 1096 kg
Schusskadenz: 15 Schuss/Minute (theoretisch)
Mündungsgeschwindigkeit Vo: 485 m/s
Schussweite: je nach Ladung/Granate bis 11,6 km